Bereits im vergangenen Jahr wurde die Harzquerung zur Abteilungsfahrt des Meller Ultraforums auserkoren. Mit der Zeit bröckelte allerdings Teilnehmer um Teilnehmer weg und so waren am Ende noch drei Verwegene übrig: Hartmut „Das Gummi“ Wesseler, Olaf „Ole der Langsame“ Dittmann und ich, Eike „Der Untrainierte“.

Die Geschichte mit dem mangelnden Training wurde nach einer Super-Vorplanung im Laufe des Winters und des anrückenden Frühjahrs geschrieben: Neben fehlendem Trainingsfleiß, den ich allerdings schon schlimmer erlebt habe, rissen mich zwei Erkältungen aus der Routine, und zwei Wochen sind eine lange Zeit, wenn man Rückstände aufzuholen hat.

Unfassbare 46 (!) Trainingskilometer mit ca. 200 Höhenmetern im April ließen mich frohlocken: wenn das mal keine Top-Vorbereitung auf einen 51 km-Bergultra war.

Nun gut, Optimismus ist, wenn man’s trotzdem macht, daher ging es am 26.04.2013 nach Arbeitsende zusammen mit Hartmut in Richtung Wernigerode in Sachsen-Anhalt. Nach einer Fahrt, die vor allem durch permanenten Regen und Staus in Autobahnbaustellen in Erinnerung bleiben wird, kamen wir um rund 22.00 Uhr in Wernigerode an. Dort wurden noch kurz alle Speicher gefüllt (Schlachtplatte für Hartmut, die mir den Magen umdrehte und Weizen alkoholfrei für mich), um dann noch erholsame sechs Stunden Schlaf zu genießen.

In Vorbereitung des Laufes hatten wir natürlich dreimal am Tag unter Wetter.com geschaut, ob wir in Singlet und kurzer Hose an den Start gehen konnten, wurden aber mit der Andeutung von 100% Regenwahrscheinlichkeit bei 4 – 5° Celsius eines Besseren belehrt. Entsprechend begrüßte uns der Morgen des Starttages mit einlullendem Geplätscher, gepaart mit ein wenig Wind, worauf wir uns Kleidungsmäßig problemlos  einstellen konnten, hatten wir doch Sachen für alle Eventualitäten und mindestens 3 Lauftage dabei.

Im Startbereich gesellte sich dann Olaf mit den Startunterlagen zu uns, wir begrüßten einige Laufkumpane (gibt es davon auch eine weibliche Form?), vornehmlich von den Endorphin-Junkies aus Doodmund und vom 100-Marathon-Club, und gemeinsam ging es in Richtung Start. Nach einem kurzen Schlenker ums Eck fiel ohne viel Aufhebens der Startschuss und glücklicherweise wurde der anfängliche Anstieg durch den sich bildenden Stau der Harzquerenden entschärft, da an nichts anderes als Gehen zu denken war.

Schnell wurde die urbane Umgebung durch das abgelöst, was die Harzquerung ausmacht und die TeilnehmerInnen zum Schwärmen bringt: eine tolle Landschaft mit munter vor sich hinplätschernden Bächlein, verwunschenen Singletrails, atemberaubenden Ausblicken (allerdings gern auch mal bei Sonne) und immer wieder Berge, Wiesen und Wälder.
Ich hatte mir die Strecke in mehrere „kurze“ Etappen eingeteilt, von 10er zu 10er, um die Gesamtdistanz etwas abzumildern. Das klappte bis km 10 sehr gut, danach musste ich mir des Öfteren in Erinnerung rufen, dass die nächste der Verpflegungsstationen, die in denselben Abständen eingerichtet waren, nicht mehr weit entfernt war.

Glücklicherweise hatte Olaf denselben Trainingsplan wie ich und es war ein Einfaches, die „Marschroute“ (im wahrsten Sinne des Wortes) festzulegen: hoch langsam wandern, runter ganz langsam traben. Dieses Konzept sollte uns noch vor Zielschluss in Nordhausen ins Ziel tragen. Unser Grüppchen wurde durch Sabine von den Junkies komplettiert, die uns durch ihre lockere Art und launigen Sprüche bewusst machte, dass wir an diesem Lauf eigentlich zum Spaß teilnahmen.

Während der weit über sieben Stunden dauernden Laufwanderung hatte ich ausreichend Zeit, Eindrücke in Landschaft und Umgebung zu sammeln, wobei mir auffiel, dass von unseren Vorläufern zwar kaum Müll, aber Unmengen von Papiertaschentüchern auf den Wegen hinterlassen wurden. Zwar denkt dann ein jeder „klar, was die da hinterlassen haben“, allerdings sollte das in gefalteten, also fabrikfrischen Tempos, Softis, Allouettes, was auch immer kaum möglich sein. 

Der regelmäßige Wechsel von Laufen und Gehen sorgte dafür, dass irgendwie immer noch ein bisschen Energie da war und so hatten wir irgendwann in Neustadt an der letzten großen Verpflegungsstelle die Marathondistanz erreicht. An allen Versorgungspunkten entlang der Strecke wurden wir überaus nett begrüßt und es gab jedes Mal aufmunternde Worte. Das empfanden wir keinesfalls als Selbstverständlichkeit, schließlich mussten die HelferInnen auch zig Stunden bei Kälte und Nässe an den Ständen verbringen.

Irgendwie, wenn auch dem Delirium nah, waren auch die letzten Kilometer geschafft und wir freuten uns, dass das Zeitnahmezelt noch nicht abgebaut war. So konnten wir noch unseren Aufnäher, der ein wenig an Fähnlein Fieselschweif erinnerte, in Empfang nehmen und als Letzte in die Duschen gehen. Die Strafe für alle, die nicht trainieren und spät eintrudeln ist a….kaltes Wasser und um das beim nächsten Mal zu verhindern, verspreche ich jetzt bereits: ich werde trainieren, trainieren, trainieren. Aber den etzten Bus haben wir noch bekommen.

Fazit: Die Harzquerung hat ihren Ruf als Deutschlands schönster Landschaftslauf verdient. Toll ist auch das familiäre Flair, bemerkenswert ist die gute Markierung der Strecke, so dass die Organisatoren dort mit erstaunlich wenigen HelferInnen auskommen. Für schmale 18 € plus 7 € Bustransfer ist man dabei. Ergo: Das machen wir mal wieder.

Ergebnisse: http://www.harzquerung.de/Ergebnisse/Harz2013.htm

34. Harzquerung 2013 – Im Todestal der verlorenen Taschentücher
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