no!pop:short.reviews.für.die.ewigkeit: Korrosion/Scheisse – Split-LP

Korrosion/Scheisse – Split-LP

 

Format: Vinyl / Tape / Digital  

Out: November, 20th, 2020

Label: Zehnagel Records

 

I

Ey, ein paar Tage ist die Split-12er von Korrosion und Scheisse schon raus und endlich hat sie jetzt ihren Weg auf mein Plattenrondell gefunden. 6 und 6 Tracks aus Berlin und Greifswald in schönster DIY-Schrammelmanier beinhaltet das im wahrsten Sinn des Wortes gute Stück, und mit etwa 25 Minuten Spielzeit fackeln beide Bands nicht lange.

 

II      

Korrosion aus der Bundeshauptstadt belegen die A-Rille und eröffnen mit einem hymnischen Riff ihren Song “Whack”. Schneller, extrem mitreißender Punkrock macht die kaum 1:30 Minuten überschreitenden hingeballerten Tracks aus. Korrosion haben mit Sicherheit einen Plattenschrank voll mit schwedischem Skatepunk und US-Melodycore, beides in den 90ern und 00ern ganz groß. Die häufig klar gehaltenen Vocals von NUFAN, Millencolin und Co. ersetzen Korrosion wohltuend durch rotzig-räudigen Gesang. 

Auch “Berlin” bietet ein geiles Lagwagon-Riff und im fantastischen Punkrocktrack “Primetime” hauen Korrosion aber sowas von in die Melancholiebresche – einfach genial. Salomé schafft noch eine Steigerung in Sachen Traurigkeit. Textlich arbeiten Korrosion sich weniger an Politik und Gesellschaft, sondern eher an der Persönlichkeit ab, halten uns den Spiegel vor und zeigen auf, wie Selbstfixiertheit, Angst und Frust uns erdrücken. Keine schönen Aussichten, aber die Realität können wir nicht verdrängen.

Die A-Seite schließt mit “23er”, die Songlänge von 2:06 Minuten erscheint außergewöhnlich. Geile Melodien – Kacksongs, bei anderen Bands vielleicht, bei Korrosion nicht. Die drei oder vier Berliner (?), die aufgrund Ermangelung entsprechender Informationen wohl lieber anonym bleiben wollen, sind für mich eine DER Entdeckungen 2020. Jeder Song ein Mitsinghit, Melodien und Akkorde zum Ausflippen, Leudde, das ist really big.

 

III

Auf Seite B sind dann Scheisse zugange, deren Name selbstredend zu allerlei unterirdischen Wortspielen einlädt. Der erste Song “Ich bin nicht da” beginnt mit ‘nem schönen Uffta Uffta-Schlagzeug und ‘nem feinen Boxhamsters-Akkord. Damit kann man generell Herzen gewinnen, meins jedenfalls. Eine feine Spur old school 80er-Punk, ein wenig Pogendroblem, alles bestens. “Deutschland Du Opfer” schrammelt solide, das Finale Furioso des Songs wird dann noch rasend schnell.

“Computererde” beginnt mit einer Mischung aus Neurotic Arseholes und Abwärts und nimmt dann Pogogeschwindigkeit auf. Herrlich schräg und ein wenig lo-fi ein Highlight dieses Albums. Denselben Anspruch darf auch “Teenager” für sich erheben, der Song, der Scheisse zusammen mit dem dazu veröffentlichten Video in den Olymp des modernen deutschsprachigen Punks heben könnte.

Die rohen, treibenden Songs bleiben nach zweimaligem Hören im Gehörgang hängen, was immer ein Qualitätsmerkmal darstellt. “Wie man sagt” brüllt uns Uptempo an und “Romantik” als Abschluss packt mit Melodie und Energie noch einmal richtig zu. Scheisse prangern in ihren Texten alles an, was in Opferdeutschland politisch, sozial und gesellschaftlich nicht stimmt, und das mit lauter Stimme.

Die 6 Songs von Scheisse machen richtig viel Spaß, Abwechslung ist Programm und das ist gut. Sehr gut sogar. Wie es schon bei Zehnagel geschrieben steht: Dieses Album muss unbedingt in Eurem Plattenschrank verstauben. Momentan sprießen eine Menge sehr geiler Bands im deutschsprachigen Raum aus dem Boden, seien nur Krasser Fahrstil, Paddelnohneknau oder auch Pogendroblem genannt. Korrosion und Scheisse gehören definitv in dieselbe Liga.

Fazit: Spitzenbands, Spitzenalbum, gönnt Euch!

 

Bands

 

Korrosion: ?
Scheisse: Jo und Sum Pi

 

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Punkte: 4,5/5

Uberflieger: Primetime, Computererde

1: bitte nicht kaufen                      2: hörbar                     3: gut                     4: sehr gut                  5: genial!